Wochenbericht

26.06.2012

Schleichende Inflation – Zeit „frisst“ Rente

Es gibt wahrscheinlich derzeit in Deutschland kein Thema, dass abgesehen von der Fußball Europameisterschaft, mehr Emotionen weckt als der Begriff der Inflation. Die Angst vor der Entwertung des Kapitals ist in der deutschen Seele tief verwurzelt. Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Sommer 2010 fürchten die Deutschen eine Geldentwertung. 68 Prozent haben “große Angst” vor einer Inflation und vor steigenden Lebenshaltungskosten. Zum Vergleich, eine schwere Krankheit folgt erst auf Platz zwei mit 57 Prozent.

 Ein heute 90-jähriger Deutscher aus dem Osten hat bisher sechs Währungen erlebt; wenn er im Westen gelebt hat, waren es „nur“ fünf. Das macht im Schnitt alle 15 Jahre eine neue Währung. Ob und in welcher Form der Euro die nächsten Jahre als Währung überstehen wird, ist kaum abzuschätzen. Eine Hyperinflation, wie sie Mitte der 20er Jahre in Deutschland herrschte, wird jedoch weitgehend ausgeschlossen. 1923 waren nur ein Prozent der Staatsausgaben durch Steuereinnahmen gedeckt. 2011 lag der Wert für Deutschland bei etwa 75 Prozent. Die Geschichte zeigt, dass eine Hyperinflation nur in Zusammenhang mit Krieg und struktureller Zerstörung einhergeht. Bei politisch stabilen Systemen sehen Experten die Inflationsraten auf maximal kleine zweistellige Werte begrenzt.

Frank Lehmann,  bekannter  deutscher Wirtschaftsjournalist, hat es einmal so formuliert:  „Inflation ist für die Wirtschaft wie Nikotin oder Alkohol für den menschlichen Körper: gering dosiert ist es sogar stimulierend, aber wehe du bist Kettenraucher oder Alkoholiker.“ Oder einfacher tl_files/inhalte/research/wochenberichte/2011/Grafiken/Grafik 1 - WB 1412.JPGformuliert: „Die Dosis macht das Gift“. Die eigentliche Gefahr für die liquiden Vermögenswerte liegt in den nächsten Jahren nicht in einer Hyperinflation oder eines Währungszusammenbruchs, sondern viel schlimmer, in der „schleichenden Inflation“. Eine einheitlich anerkannte Größe oder Grenze dafür gibt es nicht. Meist geht man für eine schleichende Inflation von einer jährlichen Preissteigerungsrate von ca. drei bis sieben Prozent aus. Denn bei so geringer Inflation spürt man subjektiv die Preissteigerung kaum. Gefährlich wird die schleichende Inflation dadurch, dass sie über mehrere Jahre anhält und man deren Auswirkungen meist unterschätzt. In normalen Phasen steigen die Zinsen entsprechend so, dass der reale Kaufkraftverlust kompensiert wird. In Phasen der finanziellen Repression bleiben die Zinsen hingegen niedrig und Inflation vernichtet Vermögenswerte. Besonders betroffen sind in diesem Fall klassische Renten- und Lebensversicherungen. Auch Teile der staatlich geförderten Altersvorsorge trifft dies.

Beispielsweise wenn ein Anleger über sein Unternehmen betrieblich vorsorgt oder eine Riester-Rente abgeschlossen hat und diese Vorsorge über klassische Versicherungen umgesetzt wird. Ein Wertpapierdepot ist dagegen schnell und einfach umstrukturiert. In einem Inflationsszenario kann es sinnvoll sein, die Aktienquote zu erhöhen oder das Depot durch eine direkte Anlage in Sachwerte zu ergänzen. Wesentlich schwieriger ist die Situation für das private Vorsorgeportfolio. In klassischen Versicherungstarifen ist das Kapital der finanziellen Repression schutzlos ausgeliefert. Die Versicherungen werden durch die Gesetzeslage dazu gezwungen, das Kapital Ihrer Kunden in „sichere“ Staatsanleihen zu investieren. Bei dem derzeitigen Zinsniveau erscheint selbst ein Garantiezins von 1,75 Prozent langfristig illusorisch. Kommt noch Inflation hinzu, können die Anleger förmlich zuschauen, wie Ihre „sichere“ Altersvorsorge dahin schmilzt und sich auflöst. Eine Zinswende ist derzeit nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, es droht eine längerfristige Niedrigzinsphase. Die ersten Versicherungen erkennen die Gefahr und bieten bereits keine klassischen Garantiezinstarife für das Neugeschäft mehr an. Für Millionen von Bestandskunden ist es jedoch zu spät. Sie sitzen bei aufkommender Inflation mit Ihren klassischen Policen in der Zinsfalle fest. 

Wer nur noch wenige Jahre bis zur Fälligkeit seiner Versicherung hat, kann erst einmal durchatmen. Hier stellt sich lediglich die Frage, wie die Kapitalleistungen bei Auszahlung  am besten neu angelegt werden, um dem aktuellen Umfeld Rechnung zu tragen. Bei Rentenversicherungen sollte nach Möglichkeit eine Einmalkapitalleistung einer laufenden Rentenleistung vorgezogen werden. Für Neuanlagen bieten sich breit diversifizierte Sachwertportfolios an, die regelmäßige, inflationsadjustierte Ausschüttungen erbringen. Alle anderen Anleger sollten aktiv handeln, um Ihre Altersvorsorge zu sichern. Aktives Gegensteuern ist in vielen Fällen nötig und möglich. Unüberlegtes kündigen von Verträgen ist allerdings selten sinnvoll und sollte gut überlegt werden. Ein Finanzplan verschafft Ihnen einen fundierten Überblick über den Status-quo. Ausgehend davon kann die Berechnung von Szenarien die Auswirkungen von Inflation greifbar machen. Dadurch erhalten Sie ein Gefühl dafür, wie viel reale Kaufkraft und Vermögen Ihnen nach Inflation in 10, 20 oder 30 Jahren zur Verfügung stehen wird. Daraus lassen sich eindeutige Handlungsempfehlungen für bestehende Verträge ableiten. 

Besondere Bedeutung kommt hierbei den staatlich geförderten Verträgen wie Riester- und Rüruprente zu. Im Jahr 2001 wurde durch die Änderung der Rentenanpassungsformel das Rentenniveau von damals etwa 70 Prozent auf nur noch 64 Prozent des Nettolohns abgesenkt. Faktisch die erste große Enteignung von Millionen Beitragszahlern in die gesetzliche Rentenversicherung in der Bundesrepublik. Kompensiert werden sollte diese  Enteignung durch die Einführung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Nun droht denen, die über klassische Tarife in diesen Verträgen vorsorgen, durch die finanzielle Repression, die zweite Enteignung. Allerdings hat der Gesetzgeber Möglichkeiten geschaffen, in diesem Bereich die vertragliche Gestaltung nachträglich zu ändern. Ein Wechsel in einen sachwertorientierten und damit inflationssicheren Vertrag ist für viele möglich und sinnvoll. 

Nutzen Sie unser Know-how und die langjährige Erfahrung in der Vermögensplanung. Wir helfen Ihnen nicht nur Ihr Wertpapierdepot optimal zu strukturieren, sondern überprüfen gerne auch Ihre Vorsorgeverträge. Unsere zertifizierte Finanzplanung kann helfen, Ihr Vermögen zu schützen. Sprechen Sie uns bitte darauf an.

verantwortlicher Redakteur: Diplom-Kaufmann Markus Richert

Stand: 26.06.2012

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