26.04.2013 // Quartalsbericht
14.06.2012
Finanzmärkte geraten wieder unter großen Druck
16 Milliarden Euro. Damit ist ausnahmsweise nicht die Neuverschuldung Griechenlands oder der Spekulationsverlust einer Investmentbank gemeint. Für eine willkommene Abwechslung an den Finanzmärkten sorgte im Mai vielmehr Mark Zuckerberg mit dem Börsendebüt von Facebook. Das Unternehmen wurde mit entsprechendem Marktwert an die Börse gebracht. Nur Visa (19,7 Mrd. €) und General Motors (18,1 Mrd. €) hatten zuletzt größere Börsengänge absolviert. Doch der Börsenauftritt ging gründlich schief und die Aktie des sozialen Netzwerks musste von den beteiligten Banken massiv gestützt werden, um nicht mehr als 30 Prozent abzustürzen. Unabhängig davon hat der Ausgang der Wahlen in Griechenland und Frankreich die Kapitalmärkte verunsichert. Der deutsche Aktienindex DAX verlor im Mai 7,4 Prozent und damit deutlich mehr, als internationale Indizes. Der Welt-Aktienindex MSCI büßte beispielsweise nur 2,6 Prozent ein. Kein Wunder, denn der Euroraum dürfte aufgrund des neuen politischen Stillstandes bei der Lösung der europäischen Finanzkrise eher in eine Rezession abrutschen. Das wird am Exportweltmeister Deutschland nicht spurlos vorbeigehen. Aber auch in China und den USA geht das Wachstum zurück, was schwächere Konjunkturindikatoren andeuten.
Gewinne rauf, Kurse runter – Aktien werden immer billiger
Bisher spiegelt sich die Unsicherheit an den Kapitalmärkten nicht in rückläufigen Erträgen der Unternehmen wider. Ganz im Gegenteil. Die Gewinne steigen, während Aktienkurse fallen und Unternehmen auf diese Weise fortlaufend günstiger werden. Im Schnitt sind DAX-Konzerne heute im Vergleich zu den 1980er und 1990er Jahren nur halb so teuer und erwirtschaften bezogen auf den Einkaufskurs etwa 10 Prozent Gewinn jährlich. Von derartigen Renditen können Anleger sonst aktuell nur träumen. Die derzeitige Unsicherheit ist immer noch vornehmlich der politischen Lage geschuldet. Eine alte Börsenweisheit lautet bekanntlich: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Es wird zunehmend fraglich, ob es dabei bleibt.
Die Risiken am Anleihenmarkt nehmen zu – Profis kaufen Ausfallversicherungen
Die zehnjährige Bundesanleihe wurde am 22. Mai aufgestockt. Dies geschieht in regelmäßigen Abständen, wenn sich Deutschland über den Kapitalmarkt finanziert. Diesmal wurden fünf Milliarden Euro mit einem Tiefst-Zinssatz von 1,47 Prozent platziert. Was den Steuerzahler freut, ist schlecht für die Kapitalanleger. Denn die Unsicherheit rund um Griechenland und Spanien treibt die Renditen immer weiter in den Keller. Parallel dazu steigt die Zahl der professionellen Investoren, die sogar auf einen Zahlungsausfall des deutschen Staates spekulieren. Gemessen wird dies am steigenden Kauf von Versicherungen gegen dieses Ereignis. Die Instrumente werden Credit Default Swaps (CDS) genannt und bekanntlich nur abseits von Märkten unter Profis gehandelt. Sie haben zurzeit Hochkonjunktur.
Erste deutsche Anleihe ohne Zinsen wird stark nachgefragt
Doch damit nicht genug. Ende Mai wurde die erste deutsche Anleihe ohne Zins platziert. Fünf Milliarden wollte die Bundesrepublik an Kapital aufnehmen. Über 7,7 Milliarden Euro hätte sie zu Nullzinsen erhalten können. Warum wird eine Anleihe ohne Zinsen gekauft? Die gesetzlichen Regelungen schreiben dies für Banken und Versicherungen unter bestimmten Bedingungen zwingend vor. Zudem vertrauen institutionelle Anleger auch dem deutschen Bankensystem teilweise nicht mehr. Sie verzichten daher lieber auf eine Verzinsung, als vermeintlich ihr Kapital zu riskieren.
Euroschwäche setzt sich weiter fort
Getrieben von den Sorgen um die Stabilität des Euroraumes verlor die Gemeinschaftswährung im Mai auf breiter Front an Wert. Gegen den US-Dollar gab der Wechselkurs des Euro beispielsweise um 6,6 Prozent nach. Was geschieht, wenn Griechenland nach der Wahl am 17. Juni aus dem Währungsraum austritt? Zwei grundlegende Szenarien sind denkbar. Durch den Austritt Griechenlands wird der Euro stärker, denn die verbliebenen Länder sind wirtschaftlich homogener. Oder der Austritt wird von den Kapitalmärkten als Präzedenzfall gewertet. Dann entsteht weiterer Druck auf andere Länder der Euro-Zone. Es scheint zu früh, um bereits jetzt mit Kapitalanlagen in den Euro zurückzukehren.
Rohstoffpreise leiden unter starkem Dollar und nachlassender Konjunktur
Die Finanzkrise wirkt sich zunehmend negativ auf Rohstoffpreise aus. Der schwache Kurs des Euro lastet beispielsweise auf dem Öl, das bekanntlich in US-Dollar abgerechnet wird. Zudem sind die Öllager in den USA gut gefüllt und der Iran-Konflikt hat sich entspannt. Daher fiel der Rohölpreis der Sorte Brent im Mai von 104,93 auf zuletzt 90,86 US-Dollar. Währenddessen steht Gold in der Diskussion um seinen Ruf als sicherer Hafen. Nicht alle Kapitalanleger sind mehr der Ansicht, dass das Edelmetall seinen Zweck künftig erfüllen wird. Im vergangenen Monat verlor der Goldpreis trotz Verschärfung der Krise 6 Prozent an Wert und schloss mit 1.563,20 US-Dollar je Feinunze.
Aktuell steht die Sicherung des Kapitals an erster Stelle
Unter dem Eindruck der politischen Eskalation in Europa und der aufkommenden Sorgen hinsichtlich der Weltkonjunktur ist für uns der Schutz des Kapitalvermögens in den Vordergrund getreten. Aktienbestände wurden von uns vorübergehend abgesichert. Bei Rohstoffen halten wir weitere Preisrückgänge für vorstellbar und setzen daher sogar leicht auf fallende Kurse.